Am Vormittag des 16. Juli 1965 zog eine breite Gewitterfront aus dem Osten in den Paderborner Kreis. Um 12.00 Uhr setzte bei fast völliger Dunkelheit (daher spricht man vom schwarzen Freitag) sintflutartiger Regen ein. Binnen weniger Stunden fielen in der Region Paderborn 172 Liter Regen auf den Quadratmeter, mehr als sonst im ganzen Monat. Die Innenstädte von Paderborn und Lippstadt wurden überflutet, aber schlimmer traf es die umliegenden Dörfer.
(mehr …)Autor: Uwe Schröder
-
konrad adenauer – seine fünf Leben
WDR 2017, 45 Minuten
Autor: Lothar Schröder, Kamera: Florian Brückner, Dierk Fechner, Redaktion: Katrin Niemann, Barbara Schmitz
Auch ein kränklicher Junge kann noch 91 Jahre alt werden. Ein Student kann die Promotion abbrechen und trotzdem 24 Doktortitel bekommen.Konrad Adenauer hatte im Grunde zwei Leben. Der Film zeigt mehr als den Regierungschef, den Staatsmann. Er zeigt den siebenfachen Familienvater, bei dem die Pflichterfüllung und Gehorsam vor der väterlichen Liebe stand. Er zeigt den gebrochenen Mann, der zweimal im Leben auf tragische Weise seine Frau verlor. Und er beginnt mit dem sozialen Aufsteiger Konrad Adenauer, der in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs und sich bis zu seiner Jugend noch das Bett mit seinem Bruder teilen musste.
Durch die Heirat in eine bedeutende Familie Kölns, hat er Anfang des letzten Jahrhunderts Zugang zu den höheren Kreisen und nutzt diesen für eine rasante Karriere in der Stadtverwaltung.
Er wird der jüngste aber bestbezahlte Oberbürgermeister des ganzen deutschen Reiches. Durch seine ehrgeizigen Projekte macht er Köln in kurzer Zeit von der Provinzstadt zur bedeutenden Metropole.Erst als er wagte den Nazis die Stirn zu bieten, war seine Karriere zu Ende. Obwohl Adenauer sich ruhig verhielt und kein Widerstandskämpfer war, wurde er 1944 verhaftet.
Nachdem ihm die Amerikaner wieder zum Oberbürgermeister in einem zerstörten Köln gemacht haben, sieht es fünf Monate danach aus, als würde sein Leben nach der Diktatur dort anknüpfen, wo es 1933 aufgehört hat.
Als jedoch die Briten die Stadt übernehmen, entlassen sie ihn nach nur kurzer Zeit aus dem Amt.Adenauer orientiert sich neu und beginnt sein zweites Leben, das ihn zum CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler machen soll.
Adenauers Lebensmitte reduziert sich – abgesehen von vielen Auslandsreisen – auf die Achse Köln-Bonn-Rhöndorf. In Köln wohnen seine Kinder, in Bonn geht er zur Arbeit, in Rhöndorf schneidet er seine Rosen. Nicht von ungefähr wird auch der Sarg mit seinem Leichnam diese Strecke fahren – allerdings in einem großen Konvoi auf dem Rhein. Die 5 Millionen Mark teure Beerdigung ist bis heute in ihren Dimensionen nie wieder erreicht worden.
-
305 Km Rhein-Geschichten – Von Golden Gate und großen Geschäften
Sendetermin: 26. Februar 2021 – 20:15 Uhr
45 MinutenAutor: Lothar Schröder, Kamera: Dierk Fechner, Redaktion: Christiane Hinz, Thomas Kamp
Teil 2: Von Golden Gate und großen Geschäften
Der Rhein ist immer für Geschichten gut. Weil er verbindet und trennt, weil er gibt und nimmt. Ein Sehnsuchtsort, aber auch eine bedrohliche Gefahr. Diese Mischung ist es, die Geschichten nur so sprudeln lässt. Durch alle Zeiten.
Der zweite Teil startet in Düsseldorf, Rheinkilometer 744. Hier zeigt sich wie sonst nirgendwo, dass das Leben am Rhein beidseitig zum Lifestyle geworden ist. Ein durchdestylter Medienhafen, ein Erlebnisboulevard und gegenüber die teuersten Wohnlagen der Stadt. In Düsseldorf wurden seit jeher die großen Geschäfte gemacht, sie gilt als Handelszentrum des Ruhrgebiets und Schreibtisch der Industrie. Daher mussten die Hafenanlagen immer weiter schicken Bürobauten weichen. Wie sonst nirgendwo ist der Umbau zum Medienhafen ein architektonischer Wettkampf geworden.
Der Trend zum schönen Leben am Rhein hat nach Köln und Düsseldorf auch Duisburg aus der Schmuddelecke geholt. Aus dem historischen Innenhafen ist längst eine gehobene Gourmetmeile geworden. Umgeben von futuristischen Bürogebäuden.
Nach wie vor liegt bei Rheinkilometer 780 der größte Binnenhafen Europas: 40 Kilometer Ufer, 22 Hafenbecken, 45.000 Arbeitsplätze. Ach wie vor ist der Hafen ein gigantischer Umschlagplatz für Waren aller Art. Transportiert auf Rheinwasser.Dass die Stadt mit 650 Brücken mehr als Venedig hat, zeigt wie sehr die Stadt immer noch mit dem Wasser lebt.
Das Wasser fasziniert die Menschen am Rhein und schafft eine ganz eigene Atmosphäre. Das gilt für Binnenschiffer wie für Hausbootbewohner oder Angler. Ob in Bonn, Köln, Düsseldorf oder Emmerich.Die Dokumentation verweilt aber nicht in den großen Städten, zieht weiter mit der Strömung. Beeindruckende Aufnahmen einer scheinbar unberührten Natur in den Naturschutzgebieten rund um die Bislicher Insel, bei Rheinkilometer 821, zeigen ein ganz anderes Gesicht des mächtigen Stroms. Luftaufnahmen malen die Gestalt des Rheins in seiner Größe und seinen Rundungen, aber bei den Menschen ist die Kamera ganz nah dran.
Und es ist auch der Lebensraum von Tieren. Wurden sie in den 60er und 70er Jahren durch die ungefilterten Industrieabwässer zu Opfern des Fortschritts, sorgen heute erfolgreiche Programme für ein Comeback von Lachs und Aal im Rhein sowie zahlreichen Vogelarten an den Ufern.
Dass der Rhein im Lande inzwischen für Lebensqualität steht, zeigt die Dokumentation auch auf dem größten Campingplatz Deutschlands, der Gravinsel: 2000 Dauercamper können sich nicht täuschen.Die Umwelt hat den Fluss verändert. Durch Abwässer und Klimawandel ist er wärmer geworden. Die Doku zeigt historische Bilder von Spaziergängern und Schlittschuhläufern auf dem 1962 letztmals zugefrorenen Rhein bei Emmerich, Rheinkilometer 851, vor knapp 60 Jahren. Es ist das Jahr, in dem genau dort der Grundstein für die längste Hängebrücke Deutschlands gelegt wurde: die Rheinbrücke Emmerich, auch die Golden Gate des Niederrheins genannt. Sie ist der Torbogen zum Nachbarn, denn wenig später, bei Rheinkilometer 860, endet die filmische Reise voller Mythen und Geschichten über den größten Fluss unseres Landes. Es ist die deutsch-niederländische Grenze und der Rhein – der in den Niederlanden Waal heißt – wird sich in der Nordsee dem Meer hingeben.
-
305 Km Rhein-Geschichten – Von Loreley und Luxusbauten
Sendetermin: 19. Februar 2021 – 20:15 Uhr
45 MinutenAutor: Lothar Schröder, Kamera: Dierk Fechner, Redaktion: Christiane Hinz, Thomas Kamp
Teil 1: Von Loreley und Luxusbauten
Der Rhein ist immer für Geschichten gut. Weil er verbindet und trennt, weil er gibt und nimmt. Ein Sehnsuchtsort, aber auch eine bedrohliche Gefahr. Diese Mischung ist es, die Geschichten nur so sprudeln lässt. Sagen und Mythen begleiten den Strom durch alle Zeiten.
Der Rhein hat eine Länge von 1233 Kilometern. Er fließt durch sechs europäische Länder und ein Viertel davon durch Nordrhein-Westfalen und sein Umfeld.Die Fahrt beginnt beim legendären Rheinkilometer 555, an der Loreley. Tapfere Bootsführer sollen hier einst wegen des betörenden Gesangs einer blondgelockten Nixe ihr Leben verloren haben. Tatsächlich kam es an den Felsen der Rheinenge besonders oft zu Unfällen.
Die Felsen sind heute gesprengt und die Musik auf dem Loreleyfelsen kommt inzwischen aus den Verstärkern von Hardrockbands. 90 Kilometer weiter, am Rheinkilometer 645, erinnert der Drachenfels an die Siegfriedsage, deren Held im Siebengebirge einen Drachen besiegte. Vom Ungeheuer blieb immerhin der Name: Drachenfels.
Als Mallorca noch nicht mal ein Geheimtipp war, machte man die Drachenfelsstraße schon zum Ballermann am Rhein.Ganz das Gegenteil auf Augenhöhe zur Ruine: Das Hotel Petersberg, DER Luxusbau des Siebengebirges mit bewegter Geschichte. Hier residierte 1938 der britische Premierminister Chamberlain, um Adolf Hitler zu treffen, der einmal über den Rhein, gegenüber im Rheinhotel Dreesen seit Jahren seinen Stammplatz hatte. Es war der letzte Versuch den 2. Weltkrieg zu verhindern. Das Rheinhotel wurde später zur ersten Adresse der Bonner Spitzenpolitiker, der Petersberg die Unterkunft ihrer internationalen Gäste.
Ebenfalls auf einem Hügel mit Blickkontakt zu Drachenfelsen, in Rhöndorf, „op de schäl sick“, wohnte einer der berühmtesten Männer Deutschlands. Er fuhr täglich Boot, prostete mit dem Winzer, hatte Riesenstress mit dem Bäcker und machte Bonn zur Bundeshauptstadt. Keine schlechte Bilanz für Konrad Adenauer. Rheinkilometer 655 stand lange für die Bundeshauptstadt. Die Politik zog es an die Spree – der Rhein bleibt hier.
Doch vieles ist im Fluss. Rheinkilometer 688: Wo früher schmuddelige Hafenbauten standen, präsentieren sich jetzt Luxuswohnviertel. Die Kölner Kranhäuser sind Landmarken der neuen Ufergestaltung. Mit durchschnittlich 5.000 Euro pro Quadratmeter ist das Wohnen am Rhein nicht nur schick, sondern recht teuer.
Aber die Rheinlage hat auch ihre Tücken. Mehr als einmal ist die Kölner Altstadt von einem gewaltigen Hochwasser geflutet worden. Jedes Mal wurden die Mauern höher gebaut. Am Fluss leben heißt, mit dem Fluss zu leben. -
Der Jahrhundertsommer
Der Jahrhundertsommer 2003
Sendetermin: 27.7.2018
Autor: Lothar Schröder, Kamera: Florian Brückner, Dierk Fechner, Redaktion: Adrian Lehnigk
Bereits im Juni ging es los. Seit Beginn der Wetteraufzeichnung im Jahr 1901 hatte es keinen heißeren Juni gegeben. Bis zu vier Grad über dem Monatsdurchschnitt lagen die Temperaturen in Deutschland. Die Sonne schien mit rund 260 Stunden rund 40 Prozent länger als sonst. Deutschland schwitzte, ganz Europa schwitzte – und die Menschen überschlugen sich mit Superlativen zu dem Hochdruckgebiet „Michaela“: Hitzesommer! Rekordsommer! Jahrhundertsommer! Was dran ist kann der Meteorologe Sven Plöger einordnen.
Zunächst freuten sich die Menschen, Hochbetrieb in Schwimmbädern und Biergärten. Doch der Alltag ging weiter und an eine derart intensive und lange Hitzeperiode war niemand gewohnt. Warme Nächte sorgten für Schlafentzug und darauf folgende Gereiztheit, Aggressionen und Bluthochdruck wurden verstärkt. Der damals junge Streifenpolizist Jan Schabacker hat in Duisburg einschlägige Erfahrungen gemacht. Er hatte ständig mit Ausrastern zu tun.
Die Sterblichkeit v.a. der älteren Menschen stieg täglich. In Deutschland starben in diesem Sommer 3.500 Alte und Kranke, oft an Lungenversagen. Wer sich schützen wollte, musste schnell sein. Ventilatoren waren schnell ausverkauft, Getränkeläger bald leer, weil die Kundschaft die Pfandflaschen nicht zügig zurück brachte.
Wassernotstand in NRW! In Münster installierte der Zoodirektor für die Besucher einen künstlichen Wasserfall. Die Menschen suchten Abkühlung überall, auch im Rhein. In Köln und Düsseldorf entstanden große Strände, denn der Fluss wurde immer schmaler – eine trügerische Sicherheit. Die Schwimmer kamen zu nahe an die Schiffe, Wellen und Verwirbelungen zogen sie unter Wasser. 15 Menschen starben.
Binnenschiffer hatten kaum noch Wasser unter dem Kiel und konnten nur noch ein Drittel der Ladung transportieren. In Düsseldorf maß der Rheinpegel zeitweise nur noch 74 Zentimeter. Täglich war Josef Zimmermann mit seiner Quirinus auf dem Rhein unterwegs und lieferte mit seiner Peilanlage neueste Zahlen des Niedrigwassers. Für Cäptn Klaus-Erich Reinhard das Geschäft seines Lebens. Zwar musste er mit seiner Aqua Verde hochkonzentriert fahren, um nicht aufzusetzen, aber mit seinem nur 84 Meter langen Frachter durfte er immerhin auslaufen. Zwar konnte er nicht viel laden, fuhr dafür öfter und bekam noch Zuschläge – ein unvergessener Sommer.
Die Aale hatten nicht genug Sauerstoff – 15.000 verendeten mit der Rotmaulseuche im Rhein. Rudi Hell aus Kalkar, heute mit fast 80 Jahren der letzte Rheinfischer, ging heute wie damals mit seinem 20 Meter langen Schocker zum Aal fischen und konnte den Anblick der vielen toten Tiere nicht fassen.
Weitere 500-600 Fische erstickten in den Nebenarmen des Rheins. Im Sauerland traf es die Forellen in den Zuchtteichen.
Landwirtschaft sahen ihre Existenz bedroht: Weizen und Roggen hatten hohe Einbußen. 15%, bei den Zuckerrüben sogar 20% weniger Ernte – das hat Johannes Brünker aus Swistal bis heute nicht vergessen. Das große Leiden: Die Wurzeln verdorrten, Maiskolben schrumpften, Äpfel bekamen braune Flecken, Kartoffeln trieben zu früh, die Sonnenblumen wendeten sich braun und schlaff von der Sonne ab. Die Dürre, die im Osten Deutschlands zur Versteppung führte, konnten die guten Böden im Rheinland überleben.Die Förster hatten Angst um die Wälder: In Attendorn wurde der Wald für Spaziergänger gesperrt, denn durch die verheerende Waldbrände in Portugal und Spanien war man gewarnt. Am Niederrhein gab es die ersten Kontrollflüge, später auch in der Eifel, im Bergischen und Ostwestfalen. Hobbyflieger stellten sich für Aufklärungsflüge zur Verfügung, Schüler, wie der damals 17jährige Simon Heil bezogen Posten auf Brandwachtürmen(Möncdhengladbach), um frühzeitig Rauchsäulen zu melden. Gebrannt hat es dann in Nettetal , da fackelten 10.000 qm Wald ab. Hans Moors war damals Einsatzleiter, koordinierte 100 Feuerwehrleute aus Deutschland und Holland. Ihm war schnell klar, dass hier Brandstifter am Werk waren.
Die Bahn wurde zur rollenden Großsauna, die Klimaanlagen machten bei der Hitze schlapp. Und die Gleise barsten und bogen in der gnadenlosen Sonne.
Sommer 2003: In diesem Sommer gab es 30 Sonnentage mehr als üblich. Die Temperaturen lagen im Schnitt 3-4 Grad höher und kletterten am 13. August auf den Rekordstand von 40,1 Grad. Gemessen von Herrmann-Josef Dahmen in seiner privaten Euskirchener Wetterstation.
In Mettmann fiel wegen Überhitzung eine Ampel aus. Die Panne dauerte zwei Stunden. Der Techniker konnte den Schaltkasten nicht anfassen – zu heiß.
Bis heute gilt der Sommer 2003 als eine der schwersten Naturkatastrophen Europas der vergangenen hundert Jahre. Der extrem nasse Sommer 2002 hatte noch katastrophale Überschwemmungen gebracht. Ein Jahr später erlebten die Menschen genau das Gegenteil.