WDR 2026, 45 Min
Autor: Lothar Schröder, Kamera: Dierk Fechner, Redaktion: Monika Pohl
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WDR 2025, 45 Min.
Autor: Lothar Schröder, Kamera: Dierk Fechner, Redaktion: Monika Pohl
Am Vormittag des 16. Juli 1965 zog eine breite Gewitterfront aus dem Osten in den Paderborner Kreis.
Um 12.00 Uhr setzte bei fast völliger Dunkelheit sintflutartiger Regen ein. Binnen weniger Stunden fielen in der Region Paderborn 172 Liter Regen auf den Quadratmeter, mehr als sonst im ganzen Monat. Die Innenstädte von Paderborn und Lippstadt wurden überflutet, aber schlimmer traf es die umliegenden Dörfer.
40 Brücken stürzten ein, Schutzmauern brachen zusammen, meterhohe Flutwellen schossen durch die Dörfer im Umkreis, von denen sich viele in einer Kessellage befanden.
Das südlich von Paderborn liegende Dorf Etteln läuft in kürzester Zeit voll wie eine Wanne. Die Menschen können sich in Panik nur noch auf die Bäume retten – wo sie 17 Stunden auf Rettung warten.
Landwirte versuchen ihr Vieh zu retten. Oft erfolglos, denn nach Augenzeugen treiben mindestens 1000 Schweine und nochmal so viel Kühe tot im Wasser.
200 Menschen sind dort von der Flut eingeschlossen, aber die Rettungsarbeiten versinken im Chaos.
Nach dem Ausfall des Strom- und Telefonnetzes mussten die Behörden in einigen Gebieten wie im Mittelalter Boten ausschicken, um andere Gemeinden zu warnen. Das Wasser war in der Regel schneller.
Der nordrhein-westfälische Katastrophenschutz erwies sich im letzten Winkel des Landes als unzureichend. Bundeswehrverbände sowie belgische, niederländische und britische Militäreinheiten rückten auf eigene Faust aus, als sie den katastrophalen Notstand erkannten. Die Rettungseinheiten der Feuerwehr, des THW und des DRK erfuhren davon nichts. Viele Rettungswagen blieben auf dem Weg stecken, da eingestürzte Brücken die Zufahrt verhinderten.

Autor: Lothar Schröder, Kamera: Dierk Fechner, Redaktion: Barbara Schmitz
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WDR 2017, 45 Minuten
Autor: Lothar Schröder, Kamera: Florian Brückner, Dierk Fechner, Redaktion: Katrin Niemann, Barbara Schmitz
Auch ein kränklicher Junge kann noch 91 Jahre alt werden. Ein Student kann die Promotion abbrechen und trotzdem 24 Doktortitel bekommen.Konrad Adenauer hatte im Grunde zwei Leben. Der Film zeigt mehr als den Regierungschef, den Staatsmann. Er zeigt den siebenfachen Familienvater, bei dem die Pflichterfüllung und Gehorsam vor der väterlichen Liebe stand. Er zeigt den gebrochenen Mann, der zweimal im Leben auf tragische Weise seine Frau verlor. Und er beginnt mit dem sozialen Aufsteiger Konrad Adenauer, der in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs und sich bis zu seiner Jugend noch das Bett mit seinem Bruder teilen musste.
Durch die Heirat in eine bedeutende Familie Kölns, hat er Anfang des letzten Jahrhunderts Zugang zu den höheren Kreisen und nutzt diesen für eine rasante Karriere in der Stadtverwaltung.
Er wird der jüngste aber bestbezahlte Oberbürgermeister des ganzen deutschen Reiches. Durch seine ehrgeizigen Projekte macht er Köln in kurzer Zeit von der Provinzstadt zur bedeutenden Metropole.
Erst als er wagte den Nazis die Stirn zu bieten, war seine Karriere zu Ende. Obwohl Adenauer sich ruhig verhielt und kein Widerstandskämpfer war, wurde er 1944 verhaftet.
Nachdem ihm die Amerikaner wieder zum Oberbürgermeister in einem zerstörten Köln gemacht haben, sieht es fünf Monate danach aus, als würde sein Leben nach der Diktatur dort anknüpfen, wo es 1933 aufgehört hat.
Als jedoch die Briten die Stadt übernehmen, entlassen sie ihn nach nur kurzer Zeit aus dem Amt.
Adenauer orientiert sich neu und beginnt sein zweites Leben, das ihn zum CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler machen soll.
Adenauers Lebensmitte reduziert sich – abgesehen von vielen Auslandsreisen – auf die Achse Köln-Bonn-Rhöndorf. In Köln wohnen seine Kinder, in Bonn geht er zur Arbeit, in Rhöndorf schneidet er seine Rosen. Nicht von ungefähr wird auch der Sarg mit seinem Leichnam diese Strecke fahren – allerdings in einem großen Konvoi auf dem Rhein. Die 5 Millionen Mark teure Beerdigung ist bis heute in ihren Dimensionen nie wieder erreicht worden.

Autor: Lothar Schröder, Kamera: Dierk Fechner, Redaktion: Christiane Hinz, Thomas Kamp
Der Rhein ist immer für Geschichten gut. Weil er verbindet und trennt, weil er gibt und nimmt. Ein Sehnsuchtsort, aber auch eine bedrohliche Gefahr. Diese Mischung ist es, die Geschichten nur so sprudeln lässt. Durch alle Zeiten.
Der zweite Teil startet in Düsseldorf, Rheinkilometer 744. Hier zeigt sich wie sonst nirgendwo, dass das Leben am Rhein beidseitig zum Lifestyle geworden ist. Ein durchdestylter Medienhafen, ein Erlebnisboulevard und gegenüber die teuersten Wohnlagen der Stadt. In Düsseldorf wurden seit jeher die großen Geschäfte gemacht, sie gilt als Handelszentrum des Ruhrgebiets und Schreibtisch der Industrie. Daher mussten die Hafenanlagen immer weiter schicken Bürobauten weichen. Wie sonst nirgendwo ist der Umbau zum Medienhafen ein architektonischer Wettkampf geworden.
Der Trend zum schönen Leben am Rhein hat nach Köln und Düsseldorf auch Duisburg aus der Schmuddelecke geholt. Aus dem historischen Innenhafen ist längst eine gehobene Gourmetmeile geworden. Umgeben von futuristischen Bürogebäuden.
Nach wie vor liegt bei Rheinkilometer 780 der größte Binnenhafen Europas: 40 Kilometer Ufer, 22 Hafenbecken, 45.000 Arbeitsplätze. Ach wie vor ist der Hafen ein gigantischer Umschlagplatz für Waren aller Art. Transportiert auf Rheinwasser.
Dass die Stadt mit 650 Brücken mehr als Venedig hat, zeigt wie sehr die Stadt immer noch mit dem Wasser lebt.
Das Wasser fasziniert die Menschen am Rhein und schafft eine ganz eigene Atmosphäre. Das gilt für Binnenschiffer wie für Hausbootbewohner oder Angler. Ob in Bonn, Köln, Düsseldorf oder Emmerich.
Die Dokumentation verweilt aber nicht in den großen Städten, zieht weiter mit der Strömung. Beeindruckende Aufnahmen einer scheinbar unberührten Natur in den Naturschutzgebieten rund um die Bislicher Insel, bei Rheinkilometer 821, zeigen ein ganz anderes Gesicht des mächtigen Stroms. Luftaufnahmen malen die Gestalt des Rheins in seiner Größe und seinen Rundungen, aber bei den Menschen ist die Kamera ganz nah dran.
Und es ist auch der Lebensraum von Tieren. Wurden sie in den 60er und 70er Jahren durch die ungefilterten Industrieabwässer zu Opfern des Fortschritts, sorgen heute erfolgreiche Programme für ein Comeback von Lachs und Aal im Rhein sowie zahlreichen Vogelarten an den Ufern.
Dass der Rhein im Lande inzwischen für Lebensqualität steht, zeigt die Dokumentation auch auf dem größten Campingplatz Deutschlands, der Gravinsel: 2000 Dauercamper können sich nicht täuschen.
Die Umwelt hat den Fluss verändert. Durch Abwässer und Klimawandel ist er wärmer geworden. Die Doku zeigt historische Bilder von Spaziergängern und Schlittschuhläufern auf dem 1962 letztmals zugefrorenen Rhein bei Emmerich, Rheinkilometer 851, vor knapp 60 Jahren. Es ist das Jahr, in dem genau dort der Grundstein für die längste Hängebrücke Deutschlands gelegt wurde: die Rheinbrücke Emmerich, auch die Golden Gate des Niederrheins genannt. Sie ist der Torbogen zum Nachbarn, denn wenig später, bei Rheinkilometer 860, endet die filmische Reise voller Mythen und Geschichten über den größten Fluss unseres Landes. Es ist die deutsch-niederländische Grenze und der Rhein – der in den Niederlanden Waal heißt – wird sich in der Nordsee dem Meer hingeben.

Autor: Lothar Schröder, Kamera: Dierk Fechner, Redaktion: Christiane Hinz, Thomas Kamp
Der Rhein ist immer für Geschichten gut. Weil er verbindet und trennt, weil er gibt und nimmt. Ein Sehnsuchtsort, aber auch eine bedrohliche Gefahr. Diese Mischung ist es, die Geschichten nur so sprudeln lässt. Sagen und Mythen begleiten den Strom durch alle Zeiten.
Der Rhein hat eine Länge von 1233 Kilometern. Er fließt durch sechs europäische Länder und ein Viertel davon durch Nordrhein-Westfalen und sein Umfeld.
Die Fahrt beginnt beim legendären Rheinkilometer 555, an der Loreley. Tapfere Bootsführer sollen hier einst wegen des betörenden Gesangs einer blondgelockten Nixe ihr Leben verloren haben. Tatsächlich kam es an den Felsen der Rheinenge besonders oft zu Unfällen.
Die Felsen sind heute gesprengt und die Musik auf dem Loreleyfelsen kommt inzwischen aus den Verstärkern von Hardrockbands. 90 Kilometer weiter, am Rheinkilometer 645, erinnert der Drachenfels an die Siegfriedsage, deren Held im Siebengebirge einen Drachen besiegte. Vom Ungeheuer blieb immerhin der Name: Drachenfels.
Als Mallorca noch nicht mal ein Geheimtipp war, machte man die Drachenfelsstraße schon zum Ballermann am Rhein.
Ganz das Gegenteil auf Augenhöhe zur Ruine: Das Hotel Petersberg, DER Luxusbau des Siebengebirges mit bewegter Geschichte. Hier residierte 1938 der britische Premierminister Chamberlain, um Adolf Hitler zu treffen, der einmal über den Rhein, gegenüber im Rheinhotel Dreesen seit Jahren seinen Stammplatz hatte. Es war der letzte Versuch den 2. Weltkrieg zu verhindern. Das Rheinhotel wurde später zur ersten Adresse der Bonner Spitzenpolitiker, der Petersberg die Unterkunft ihrer internationalen Gäste.
Ebenfalls auf einem Hügel mit Blickkontakt zu Drachenfelsen, in Rhöndorf, „op de schäl sick“, wohnte einer der berühmtesten Männer Deutschlands. Er fuhr täglich Boot, prostete mit dem Winzer, hatte Riesenstress mit dem Bäcker und machte Bonn zur Bundeshauptstadt. Keine schlechte Bilanz für Konrad Adenauer. Rheinkilometer 655 stand lange für die Bundeshauptstadt. Die Politik zog es an die Spree – der Rhein bleibt hier.
Doch vieles ist im Fluss. Rheinkilometer 688: Wo früher schmuddelige Hafenbauten standen, präsentieren sich jetzt Luxuswohnviertel. Die Kölner Kranhäuser sind Landmarken der neuen Ufergestaltung. Mit durchschnittlich 5.000 Euro pro Quadratmeter ist das Wohnen am Rhein nicht nur schick, sondern recht teuer.
Aber die Rheinlage hat auch ihre Tücken. Mehr als einmal ist die Kölner Altstadt von einem gewaltigen Hochwasser geflutet worden. Jedes Mal wurden die Mauern höher gebaut. Am Fluss leben heißt, mit dem Fluss zu leben.