konrad adenauer

Seine fünf Leben

Sendetermin: 21. April 2017, 20:15 Uhr (WDR)

Autor: Lothar Schröder, Kamera: Florian Brückner, Dierk Fechner, Redaktion: Katrin Niemann, Barbara Schmitz

Auch ein kränklicher Junge kann noch 91 Jahre alt werden. Ein Student kann die Promotion abbrechen und trotzdem 24 Doktortitel bekommen.

Konrad Adenauer hatte im Grunde zwei Leben. Der Film zeigt mehr als den Regierungschef, den Staatsmann. Er zeigt den siebenfachen Familienvater, bei dem die Pflichterfüllung und Gehorsam vor der väterlichen Liebe stand. Er zeigt den gebrochenen Mann, der zweimal im Leben auf tragische Weise seine Frau verlor. Und er beginnt mit dem sozialen Aufsteiger Konrad Adenauer, der in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs und sich bis zu seiner Jugend noch das Bett mit seinem Bruder teilen musste.

Durch die Heirat in eine bedeutende Familie Kölns, hat er Anfang des letzten Jahrhunderts Zugang zu den höheren Kreisen und nutzt diesen für eine rasante Karriere in der Stadtverwaltung.
Er wird der jüngste aber bestbezahlte Oberbürgermeister des ganzen deutschen Reiches. Durch seine ehrgeizigen Projekte macht er Köln in kurzer Zeit von der Provinzstadt zur bedeutenden Metropole.

Erst als er wagte den Nazis die Stirn zu bieten, war seine Karriere zu Ende. Obwohl Adenauer sich ruhig verhielt und kein Widerstandskämpfer war, wurde er 1944 verhaftet.

Nachdem ihm die Amerikaner wieder zum Oberbürgermeister in einem zerstörten Köln gemacht haben, sieht es fünf Monate danach aus, als würde sein Leben nach der Diktatur dort anknüpfen, wo es 1933 aufgehört hat.
Als jedoch die Briten die Stadt übernehmen, entlassen sie ihn nach nur kurzer Zeit aus dem Amt.

Adenauer orientiert sich neu und beginnt sein zweites Leben, das ihn zum CDU-Vorsitzenden und Bundeskanzler machen soll.

Adenauers Lebensmitte reduziert sich – abgesehen von vielen Auslandsreisen – auf die Achse Köln-Bonn-Rhöndorf. In Köln wohnen seine Kinder, in Bonn geht er zur Arbeit, in Rhöndorf schneidet er seine Rosen. Nicht von ungefähr wird auch der Sarg mit seinem Leichnam diese Strecke fahren – allerdings in einem großen Konvoi auf dem Rhein. Die 5 Millionen Mark teure Beerdigung ist bis heute in ihren Dimensionen nie wieder erreicht worden.

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